Vorstellung und Reflexion der Play Fair Eckpunkte des IFAB (3/9): Verbesserung des Verhaltens & Erhöhen des Respekts - Offen zur Diskussion

23.1.17
Das IFAB hat am Wochenende mit etlichen Vorschlägen zur Verbesserung der Attraktivität des Spiels für Aufsehen gesorgt, die unter der sog. "Play Fair"-Initiative zusammengefasst sind. Wie es in der Natur eines Vorschlagpakets liegt, gibt es auch hier Ideen, die gutzuheißen sind, und Ideen, die besser nicht Realität werden sollten. In der heute startenden Serie stellt Schirilogie-Regelexperte Johannes Gründel - Autor der Kolumne "Schiedsrichterball" auf wahretabelle.de - Schritt für Schritt die einzelnen Vorschläge der internationalen "Regelhüter" vor und unterzieht sie einer kritischen Reflexion - Mitdiskutieren ist dabei ausdrücklich erwünscht!

von Johannes Gründel



1. Verbesserung des Verhaltens & Erhöhen des Respekts 
(Teil 3: Offen zur Diskussion)

Als offen zur Diskussion sieht das IFAB einen Handschlag zwischen Trainern und Schiedsrichtern in der technischen Zone vor dem Spiel als Zeichen des Respekts sowie eine Reduzierung des Auswechselkontingents im laufenden Spiel – oder, wenn die Mannschaft ihr Auswechselkontingent bereits voll ausgeschöpft hat, im nächsten Spiel –, wenn ein Auswechselspieler eine Rote Karte erhält.

Den symbolischen Handschlag vor dem Spiel kann man durchaus einführen. Allerdings sollte man es dann so machen, dass die Trainer mit den Mannschaften einlaufen und der Handschlag im Rahmen des allgemeinen Handshakes vor dem Spiel abläuft. Wenn der Schiedsrichter hierfür vor dem Spiel noch zu den technischen Zonen laufen muss, geht zu viel Zeit vor dem Anstoß verloren – nicht nur im Profibereich, sondern vor allem im Amateurbereich, wo die technischen Zonen teilweise auf unterschiedlichen Spielfeldseiten sind. 


Dazu kommt noch, dass es den Schiedsrichter in eine Rolle drängt, in die er nicht stehen soll: Bei seiner Tour durch die technischen Zonen steht der Schiedsrichter im Mittelpunkt des Interesses, alle Blicke sind auf ihn gerichtet. Dabei ist der beste Schiedsrichter bekanntermaßen derjenige, der nicht auffällt. Diesen Widerspruch sollte man nicht für eine bloß symbolische Geste eingehen, zumal es ohnehin bereits üblich ist, dass Schiedsrichter und Trainer vor dem Spiel die Hände schütteln, entweder in der Vorbereitungsphase auf das Spiel oder unmittelbar vor dem Betreten des Feldes. Ein großer Nutzen ist davon also nicht zu erwarten, die Nachteile überwiegen die aktuell angedachte Regelung. Wenn die Trainer hingegen mit den Teams einlaufen und am üblichen Handshake teilnehmen, ist die Symbolik noch stärker, da der Respekt nicht nur vor dem Schiedsrichtergespann, sondern auch vor dem Gegner betont wird. Dazu kommen noch ein geringerer Zeitverlust und keine Beschneidung der gewünschten Unauffälligkeit der Schiedsrichter.

Die Idee der Reduzierung des Auswechselkontingents bei einer Roten Karte gegen Auswechselspieler ist zu begrüßen. In den seltenen Fällen, in denen ein Auswechselspieler aus dem Innenraum verwiesen wird, schlagen sich dadurch negativ für das ganze Team ins Gewicht. Das ist stimmig, da auch ein Feldverweis gegen einen Spieler auf dem Platz das Team – wie vom Regelwerk gewünscht – negativ beeinflusst. Klarmachen muss sich das IFAB aber noch, ob diese Reduzierung auch bei Gelb-Roten Karten gewünscht ist. Wenn man, wie oben befürwortet, einen Innenraumverweis gegen Trainer oder Teamoffizielle mit einer angemessenen Spielstrafe belegt, kann man auch darüber nachdenken, ob man dies nicht auch bei Roten Karten gegen Auswechselspieler macht.



Zwischenfazit nach 1 von 3 Kategorien 


Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Ideen des IFAB, um das Verhalten zu verbessern und den Respekt zu erhöhen, sind in ihrer Grundkonzeption durchaus begrüßenswert. 

Das striktere Vorgehen gegen Anpöbeln, Meckern und Umzingeln von Spieloffiziellen sollte auf jeden Fall erfolgen und von Verbänden und Schiedsrichterbeobachtern entsprechend gefördert werden. Auch die Einbindung von Trainern und Teamoffiziellen in das Kartensystem ist eine sehr gute Sache, die man sogar auch auf abschreckende Spielstrafen ausdehnen sollte. Dasselbe gilt für die Reduktion des Auswechselkontingents bei Roten Karten gegen Auswechselspieler. 

Symbolische Maßnahmen wie der Handschlag vor dem Spiel und der Verantwortungskodex für Spielführer sind bei einer sinnvollen Ausgestaltung kein Schaden, man sollte von ihnen aber keine Wunderdinge erwarten. 

Meines Erachtens sollte man von der Einräumung eines Exklusivrechts des Kapitäns, bei kontroversen Entscheidungen den Schiedsrichter anzusprechen, und von weiteren Strafen oder gar Punktabzügen gegen ein Team, das sich wegen Anpöbelns strafbar gemacht hat, allerdings die Finger lassen.


Zu den anderen Teilen der Serie:
Teil 1/9: Verbesserung des Verhaltens und Erhöhen des Respekts - Sofort umsetzbar
> Teil 2/9: Verbesserung des Verhaltens und Erhöhen des Respekts - bereit für Testlauf/Experiment


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